Herzblut: Eine Art Résumée oder so …

20April2018

 

Kia Ora,

heute vor exakt sechs Monaten saß ich abends am Gate des Hamburg Airport voller gemischter Gefühle und ohne wirkliche Erwartungen – alles war möglich, nichts so richtig absehbar. Heute vor exakt sechs Monaten startete „Ein ganzes halbes Jahr Neuseeland“.

 

Seit vier Tagen konnte ich mich nun wieder in der Heimat akklimatisieren und langsam wird es Zeit für einen Rückblick, eine Zusammenfassung, ein Résumée.

 

Zu allererst möchte ich loswerden, dass es die beste Entscheidung war, die ich nur hätte treffen können! Ich bereue keinen einzigen Tag dieses halben Jahres, keine Begegnung, keine Entscheidung. Gerade durch das Unperfekte wurde mein Abenteuer perfekt für mich und die Spontanität bescherte mir die schönsten Momente!

 

Ich habe verschiedene Punkte, die ich aufgreifen möchte. Die meistgestellte Frage ist die nach meinem Highlight. Das ist nicht nur eine schwere Frage, das ist eine unmögliche Frage, denn es waren so viele! Hier eine Aufzählung, um nur einige zu nennen: die Handaufzucht von Cerenes Fohlen, mein Skydive in der Bay of Islands, Cathedral Cove (wo ich schicksalshaft Max und Lasse in die Arme gelaufen bin), Hobbiton, meine zwei Besuche in Raglan, das Tongariro Crossing, das außergewöhnliche Weihnachten in Whanganui, Silvester bei Sommerwetter am Strand von Napier, meine WWOOFing-Erfahrungen, WhaleWatching in Kaikoura, Wanaka, Mount Cook, der beste Track „Avalanche Peak“ am Arthur’s Pass bei Schnee und Sonnenschein, Abel Tasman zu viert, die Hippie-Stadt Takaka in der Golden Bay, mein East-Cape-Roadtrip und mein „erster Sonnenaufgang der Welt“, das anstrengende Hochzeits-Catering bei Julia und natürlich SYDNEY – vom ersten bis zum letzten Abend!

Ein ganz besonderer Part der Reise – wenn nicht sogar der größte – waren aber die besonderen Menschen aus aller Welt, die ich kennenlernen durfte: interessant, aufregend und inspirierend. Viele durfte ich nur für einen Tag, ein Gespräch oder noch flüchtiger kennenlernen, doch blieben sie mir aus verschiedenen Gründen im Gedächtnis und werden mir in Zukunft auch wichtig bleiben! Danke an Julia, Shon-Paul, Cerene, Esther, Wellington, Hayley, Jonny, ein israelisches Mädchen in Blenheim, Brent, Sara, Pete, Sandra, Filip, Sandro, Ålex … und natürlich Max und Lasse aus meiner Heimatstadt Hamburg, mit denen ich besonders viele Momente der Reise teile. Und all die anderen …!

 

Neuseeland ist echt zu einer zweiten Heimat geworden. Ich muss gestehen, ich kenne das Land auf der anderen Seite der Erde jetzt besser als mein eigenes … Aber zur Verteidigung kann man vorbringen, dass es auch bei Weitem vielseitiger ist! Jedenfalls habe ich mich super eingelebt und vor allem die englische Sprache ist wie zu einem neuen Körperteil herangereift. Irgendwann redet man, ohne groß darüber nachzudenken, weil es Spaß macht. Schnell entwickelte sich das schulisch-korrekte „No, thank you, Sir.“ Zu einem „Nah, thank ya, bro!“ … In mehreren Hinsichten wurde ich zur richtigen Kiwi: die breite Sprache, barfuß laufen oder alles etwas entspannter zu nehmen sind aber wohl der Hauptmerkmale!

 

Ich habe jeden Tag genossen und tatsächlich gab es nur ein richtiges Stimmungstief, das aber auch nur drei Tage an der verregneten Westküste der Südinsel anhielt. Ansonsten wäre es ab und zu mal ganz schön gewesen, für einen Tag zuhause zu sein, um alle wiederzusehen, doch richtiges Heimweh hatte ich nie! Trotzdem war ein halbes Jahr nun genug für mich und ich war froh, in Sydney in den Flieger Richtung Hamburg einzusteigen.

 

Ein paar Worte zum Backpacker-Dasein: Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, mit leichtem Gepäck zu reisen! Man stelle sich vor, alles was man besitzt, steckt in einem 65l-Rucksack! Dieser wog durchgehend ungefähr vierzehn Kilogramm, hatte aber auch die eine oder andere Schrankleiche intus … beispielsweise ein Schlafsack-Inlay oder das Vorhängeschloss.

Bei so wenig Stauraum kommt es natürlich auch zu Entbehrungen … Am meisten habe ich frische Frottee-Handtücher vermisst! Die Mikrofaser-Dinger gehen einem nämlich irgendwann echt auf den Geist! Platz zwei war ein sauberer, ordentlicher, nicht überquellender Kühlschrank – aber ansonsten konnte man wirklich zufrieden sein!

Die meisten Backpacker machen große Abstriche beim Essen, was ich aber nach anfänglichem Sparen aufgegeben hatte. Man muss nur etwas kreativ werden und seine Ansprüche nicht allzu hoch stecken. Dementsprechend gab es bei mir nicht immer nur Pasta mit Soße aus dem Glas: meine beiden praktischen Backpacker-Onepots waren Kumara-Linsen-Kokos-Curry und Kiechererbsen-Tomaten-Zucchini-Eintopf – auch zuhause sehr zu empfehlen!

Eine weitere essentielle Frage des Reisens ist die des Reisepartners. Natürlich gibt es Vorteile, zu zweit zu reisen: Man ist nie alleine, trägt Entscheidungen gemeinsam. Aber ich bin froh, auf eigene Faust unterwegs gewesen zu sein, denn ich stand allem Neuen offener gegenüber, musste keine Meinungsverschiedenheiten mit Kompromissen beilegen und mich mit keinen Streitigkeiten herumschlagen. Eine richtige Entscheidung für mich!

Backpacking ist eine wunderbare Art des Reisens. Nie zu wissen, was die nächsten Tage bringen, sorgt für Spannung und Nervenkitzel und die Spontanität ist das Beste daran! Als durchorganisierte Deutsche konnte ich dabei mehr als ein Mal meine Grenzen austesten und somit meinen Horizont erweitern.

Ich bin sicher, dass dies nicht mein letztes Abenteuer mit Backpack war!

 

In meinem Blog hat man Neuseeland recht gut kennengelernt, denke ich, trotzdem hier noch ein paar weitere Aspekte.

Ein spannender (und auch trauriger) Part sind die Maori. Ich hatte bereits von ihrer Situation gesprochen, die genau wie die so ziemlich aller ur-einheimischen Völker dieser Welt, ziemlich mies ist. Der Bevölkerungsanteil liegt nur noch bei 15% und die ärmlichen Verhältnisse sind unübersehbar. Drogen, Kriminalität und Gangs sind ernstzunehmende Probleme der ethnischen Gruppe und ihre Kultur wird ziemlich zur Belustigung der Touristen zur Schau gestellt, was ich teilweise echt als unangenehm empfand. Trotz allem versucht das Land, die Kultur in ihrem Land zu bewahren und die alten Sitten und Bräuche sind viel zu fest verankert, als dass sie verschwinden könnten. Der durchscheinende Stolz in dieser Hinsicht ist sehr herzerwärmend.

 

Gibt es eigentlich neuseeländische Akzente? Ja … nein. Es gibt laut Pete „die Südländer“ und „den Rest“. Ich hab jedenfalls keine Unterschiede feststellen können.

 

Wie sicher ist Neuseeland? Ziemlich sicher, würde ich sagen. Zumindest bin ich nie in eine Situation gekommen, in der ich mich kriminalitätstechnisch unwohl gefühlt hätte.

 

Auch spannend war zu sehen, wer eigentlich Neuseeland bereist. 40% der Touristen würde ich als Backpacker einschätzen, die führenden Gruppen darunter Deutsche und Franzosen. Von den übrigen 60% ist (gefühlt) die Hälfte asiatisch – eine wahre Flutwelle – jedoch gibt es lustigerweise absolut keine asiatischen Backpacker!

 

Vielleicht ist es auch an der Zeit, ein paar Begriffe aufzuklären, die eventuell im Verlauf des Blogs mal gefallen sind. Was zum Teufel sind eftpos, doc, i-site oder jandals? Ja, einiges habe ich selber erst nach einiger Zeit herausgefunden … Hier ganz kurz: Eftpos ist ein neuseeländisches Zahlungssystem, DOC ist die Abkürzung für „Department of Conservation“, welches sich um alles kümmert, was mit der Natur, den Parks und Wanderwegen zu tun hat; i-sites sind die Touristeninformationszentren und jandals sind Flipflops. Ach ja und „tramping“ ist nicht Reisen per Anhalter, sondern stinknormales Wandern; deutsches Trampen ist „hitch-hiking“.

 

Apropos Fortbewegungsmittel: In Neuseeland stehen einem Auto, Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug zur Verfügung. Ich hab so gut wie alles außer Inlandsflüge genutzt und war meistens mit dem Auto unterwegs – zwei Wochen mit meinem eigenen Mietwagen, ansonsten per Anhalter (auf der Südinsel) oder längere „Mitreise-Abkommen“ bei Jake oder Lasse und Max.

 

Eine weitere wichtige Sache wäre auch noch zu klären: Gehöre ich zu Team Nordinsel oder zu Team Südinsel? Fast alle Reisenden präferieren die wilde Südinsel Neuseelands, aber mir hat irgendwie der Nordteil besser gefallen. Das ist natürlich sehr subjektiv und soll um Himmelswillen nicht heißen, dass ich die Südinsel in ihrer Ursprünglichkeit nicht auch superschön finde! Doch irgendwie hängt mein Herz am Norden – vermutlich bin ich halt einfach ein Nordlicht!

 

Generell lernt man in so einem halben Jahr sehr viel über sich selber; zumindest war das bei mir so. Bevor ich losgeflogen bin, stellte ich mir die Frage, als wer ich zurückkommen werde. Nun, mittlerweile weiß ich es und das fühlt sich mega gut an! Ich würde nicht einmal behaupten, dass eine komplett andere Person heimgekehrt ist. Ich bin einfach nur mehr ich selbst!

Es war sehr interessant, sich selber besser kennenzulernen und mehr über mich herauszufinden. Dabei stieß ich bei der einen oder anderen Gelegenheit an meine Grenzen und musste Komfortzonen einreißen. Beispielsweise legte ich die typisch deutsche Masterstabsplanung ab und lebte meine Tage ohne einen genauen Plan im Voraus. Beim Skydive stellte ich mich meiner Höhenangst und auch das Trampen erforderte einigen Mut meinerseits.

Auch habe ich gelernt, dass es wirklich nur wenige Dinge im Leben gibt, die wirklich essentiell sind. Ein Dach über dem Kopf, einen Platz zum Schlafen und eine gute Mahlzeit sind schon ziemlich viel wert und diese Dinge lernte ich mehr zu schätzen. Doch mindestens genauso wichtig sind andere Menschen, Freunde, zwischenmenschliche Beziehungen – alleine im Leben zu stehen ist nicht schön.

 

In puncto Finanzen gibt es etwas ganz Spannendes festzustellen: Da ich ja zuvor in Deutschland gearbeitet hatte, musste ich mir in Neuseeland keinen Job suchen und gab dementsprechend ein halbes Jahr nur Geld aus. Anstatt Geld mehr schätzen zu lernen, verlor ich ein bisschen den Bezug zum Wert der Dinge, was einem echt ein schlechtes Gefühl gibt! Deshalb freue ich mich jetzt auch wieder richtig darauf, ehrliches Geld zu verdienen!

Trotzdem habe ich die „kleinen“ Dinge mehr zu schätzen gelernt; vor allem die Dinge, die man zuhause im Alltag als Selbstverständlichkeiten hinnimmt: Familie, Rückhalt, Produktivität, Kontinuität und gute, langjährige Freundschaften.

 

Diese Auslandserfahrung werde ich stolz in meinem Herzen in die Zukunft tragen und Neuseeland wird immer ein Teil von mir sein. Die vielen Erinnerungen und die Prägung und Entwicklung meines Selbst wird zukünftig hoffentlich viel beeinflussen.

Dies stellt zugleich gerade meine größte Herausforderung dar, denn daheim ist alles, aber auch wirklich alles beim Alten geblieben. Deshalb wäre es mehr als bequem und leicht, in alte Denk- und Verhaltensmuster hineinzurutschen, die ich mittlerweile eher als negativ bewerte und die ich eigentlich abgelegt hatte, aber genau das möchte ich vermeiden: All die guten Inspirationen und die neue Energie will ich mit in meinen neu gestalteten Alltag zuhause tragen und ihn mit neuem Wind auf den Kopf stellen. Denn eines habe ich gelernt: Wenn man etwas mit Leidenschaft im Leben bewegen möchte, muss Herzblut fließen.

Sydney

14April2018

Kia Ora oder besser gesagt aus Australien: G'day!
ich war einfach nur überwältigt, als ich am Donnerstag aus der Bahnstation St. James trat. Da war es nun, das große und immer so ferne Sydney! Aber die generelle Euphorie wurde noch durch meine beste Freundin (eigentlich schon Schwester) Sabrina getoppt! Fünfeinhalb Monate hatten wir uns nicht gesehen, eine lange Zeit, doch irgendwie auch superkurz! Ich glaube, wir hatten beide echt Tränen in den Augen, als wir uns in die Arme fielen. Es gab so viel zu erzählen und auszutauschen - da reichte der Weg zu unserem Hostel im Stadtteil Woolloomooloo (ja, das heißt wirklich so ...) lange nicht aus!
Ich hatte zwar einen langen Reisetag hinter mir, doch wir waren total aufgekratzt. Deswegen nichts wie ein schnelles Dinner und ab zum ersten Club, um unsere Wiedervereinigung gebührend zu feiern! Das Ziel war der ivy complex und ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen! So edel, hipp und einfach genial, dass ich es fast nicht glauben konnte! Wir reden hier nicht nur von mehreren Ebenen, sondern mehreren Gebäuden mit Pool auf dem Dach unter Sydneys Nachthimmel.
Nach dem Feiern saßen Brini und ich noch bis um sechs Uhr morgens vorm Hostel und redeten, bis es schon wieder taghell war. Wie hab ich sie vermisst!

Freitag

Der Nacht entsprechend startete der folgende Tag recht spät. Aber immerhin startete er mit den richtig typischen Touristendingen: am Circular Quay das Opera House und die Harbour Bridge. Danach durchstöberten wir Sydneys Shoppingmeilen und tätigten ein paar echt coole Einkäufe! Unteranderem fand ich DEN Laden meines Lebens ... "Kitten d'Amour", eine klitzekleine australische Marke, die handfertigt und von jedem Modell nur nummerierte 200 Stück produziert. Ich war im (teuren) Himmel!

Samstag

Diverse Märkte gibt es am Wochenende in Sydney. Wir besuchten erst einen richtig ramschigen Asia-Markt (ein totaler Reinfall) und dann den coolsten Markt, auf dem wir je waren: die Glebe Markets. Das war eine Mischung aus sehr hochwertigem Second-Hand-Flohmarkt, Regionalem, Kunsthandwerk, hippen Boutiquen und kulinarisch Außergewöhnlichem. Und dabei alles echte Schnäppchenpreise (z.B. ergatterte ich ein $400-Kleid für lediglich $30)! Dort konnte man die Stunden bei guter Live-Musik schnell verfliegen lassen!
Nachmittags machten wir einen Spaziergang durch die Royal Botanic Gardens zum Darling Harbour und abends ging es mit dem gesamten Summer House Backpackers (unserem Hostel) in die HomeBar. Es wurde spät.

Sonntag

In Sydney gibt es die Opal Card. Das ist eine Karte, auf die man Geld lädt und dann per tap on/tap off Busse, Züge, Trams und Fähren benutzen kann. Im Prinzip richtig cool und einfach, aber trotzdem blieb mir das System etwas suspekt, da mir meine Balance auf der Karte manchmal ein Rätsel war ... Aber öffentliche Verkehrsmittel sind echt preiswert und sonntags kann man sogar so viel fahren wie man möchte und bezahlt nie mehr als $2,60. Normalerweise ...
Jedenfalls wollten Sabrina und ich diesen günstigen Tarif ausnutzen und nach Manly ans Nordufer fahren. Dass das Opal-System die Schnellfähre nicht einschließt, konnten wir ja nicht ahnen ... Trotz der bösen Überraschung am Schluss wurde es ein sehr, sehr schöner Tag am Surferstrand Manly und ich genoss ein paar Minuten alleine bei einem Strandspaziergang. Das Highlight allerdings war ein offener Gottesdienst, in den wir auf unserem Rückweg unversehens gerieten. Der afrikanische Gospel-Chor war echt großartig und als sogar Lieder aus unserer Jugendgemeinde von zuhause gesungen wurden, gab es für uns kein Halten mehr - es war echt bewegend für uns beide!
Als wir dann zwei Stunden später wirklich den Heimweg antraten (nach einem Einkauf im ALDI), war es bereits dunkel. Ich glaube, in Sydney gibt es nichts Schöneres als nachts durch den Hafen zu fahren und die Stadt mit all ihren Lichtern zu bewundern!

Montag

Am Montag grasten wir drei Anlaufpunkte ab, die etwas spezieller sind, die uns aber allesamt ein wenig enttäuscht haben: Erstens besuchten wir die Contemporary Art Gallery, doch die Light Exhibition, auf die wir es abgesehen hatten, war bereits weitergezogen.
Zweitens ging es in den Luna Park am Nordufer. Dieser Vintage-Vergnügungspark ist tatsächlich schon ziemlich alt, doch leider wirkt er nicht so ... Auch die Fahrgeschäfte sind nicht so spektakulär, wenn man den Hamburger Dom gewöhnt ist. Da es an diesem Tag auch extrem heiß war, blieben wir nicht allzu lange.
Drittens ging es nach Cockatoo Island, eine ehemalige Gefängnisinsel, die zeitweilig auch als Anstaltsort für schwer erziehbare Mädchen diente. Doch so mysteriös, wie wir uns die Stimmung dort vorgestellt hatten, war es leider nicht. Es war irgendwie mehr Kunstausstellung (der Biennale Sydney) als mystische Gefängnisinsel. Naja, immerhin beeindruckte uns eine künstlerische Arbeit zu den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ziemlich!
Alles war zwar nicht so wie gedacht an diesem Tag, aber er war trotzdem schön!

Dienstag

Ein kleiner Break vom Stadtleben tat ganz gut: Es ging zu den Blue Mountains! Das ist ein Nationalpark ungefähr zwei Stunden Bahnfahrt außerhalb von Sydney. Da die entspannte Kiwi-/ Aussie-Attitude bereits auf uns abgefärbt hatte, begannen wir dieses Abenteuer recht planlos und stiegen einfach in den erstbesten Zug gen Westen. Zwischenzeitlich war es sehr fraglich, ob wir überhaupt ankommen würden, aber (mit einiger Verspätung die unserer Nicht-Planung zu verdanken war) erreichten wir schließlich Katoomba und den Lookout der "Three Sisters". Von da an hatten wir sogar noch Zeit für einen kleinen Trek zu einem sehr mickrigen (...) Wasserfall. Schön war es trotzdem! Die Blue Mountains sind übrigens nicht blau, doch dass riesige Gebiet schimmert durch den Dunst etwas bläulich. Außerdem tat die Pause vom wuseligen Sydney echt gut!

Mittwoch

Wir nahmen den Bus zum Coogee Beach und liefen bei brütender Hitze den zweistündigen Coastal Walk zum berühmten Bondi Beach. Das ist ein echtes Must-Do - so traumhaft schön! Es gibt so viel zu sehen; die Küste ist wild, das Meer tief grün-blau-türkis und ungebändigt, die kleineren Strände Paradiese - auch wenn sie nicht so einsam und verlassen sind wie in Neuseeland!
Auf dem Weg sahen wir das eine oder andere Häuschen, in dass ich ohne zu zögern echt gerne eingezogen wäre. Ein Traum!
Bondi Beach selber ist auch schön, aber riesig und sehr überfüllt. Trotzdem macht es Spaß, den Surfern bei ihrem Können zuzusehen und einfach die Sonne zu genießen!
Auf unserem Rückweg schauten wir noch bei Sonnenuntergang bei den Dover Heights vorbei, wo man auf einem Spielplatz über der Skyline von Sydney schaukeln kann!

Donnerstag

Dann kam bereits Sabrinas und mein letzter gemeinsamer Tag, den wir sehr ruhig angingen. Wir trafen eine Freundin, die Sabrina bei ihrem Delfinprojekt an der Westküste kennengelernt hatte und liefen nochmal zum Circular Quay und hingen danach in den Botanischen Gärten ab. Ganz entspannt zum Abschluss, aber abends ging es nochmal ins ivy!

Freitag

Sabrinas Flieger ging früh am Morgen nach Neuseeland, weshalb ich gegenüber eines leeren Bettes aufwachte ... ein etwas komisches Gefühl.
Da sich bei mir eine Erkältung anbahnte, machte ich mir wieder einen entspannten Tag und nahm den Bus zum Bondi Beach, wo ich mir zum Frühstück in einem Café eine Açai-Bowl gönnte. Generell gibt es in Sydney so viele coole Cafés, die ich nur zu gerne alle mal aufstöbern würde!
Es war wieder sehr warm, weshalb das Meer eine wunderbare Abkühlung bot.
Abends traf ich mich noch mit Alex, den ich im ivy kennengelernt hatte, in der Opera Bar direkt am Hafen. Es war ziemlich cool, sich mit jemandem zu unterhalten, der in Sydney lebt, und praktisch, da ich so zum Beispiel noch ins Argyle und in den ältesten Pub von Sydney kam - versteckte Ecken, die man sonst vielleicht nicht gefunden hätte. Und natürlich war Sydney bei Nacht wieder einmalig schön!

Samstag

Mein letzter Tag - und ich traf noch eine Freundin von Zuhause! Es war ziemlich cool, Anna wiederzusehen! Zusammen schlenderten wir über die Paddington Markets und da sie sogar noch bei Weitem pferdebegeisterter ist als ich, ging es zusammen auf die Rennbahn. Und, nein, es war nicht IRGENDEIN Pferderennen, es war DAS australische Pferderennen schlechthin: Tag zwei der Championships auf dem Royal Randwick Racecourse.
Und genau diesen Punkt hatte ich ein bisschen außer Acht gelassen ... In meinem Kopf klebte noch das beschauliche neuseeländische Trabrennen in Blenheim, doch wir waren hier in Sydney ... Als ich die ersten aufgetakelten Bräute sah, schwante es mir ... Ja, es war das erste Mal seit einem halben Jahr, dass ich auch nur die Chance hatte, mich underdressed zu fühlen. Man erinnere sich an den Bräutigam in Badeshorts ...
Egal, mir wurde trotzdem ohne Zögern Eintritt gewährt.
Das Gelände war gigantisch und das Beste: die Weltspitzen-Stute Winx lief und eroberte ihren atemberaubenden 25sten Sieg in Folge! Sie ist nun gleichauf mit dem Weltrekordhalter. Das war natürlich nochmal ein echtes Highlight für uns!
Abends bereitete ich alles für die Reise vor und nahm Abschied vom Summer House Backpackers - ein Hostel, das echt in Ordnung war und seinen Zweck erfüllt hat!

Nun sitze ich am Airport und werde hier auch die Nacht verbringen, denn mein Flieger geht morgen ganz früh um sechs Uhr.

Sydney. Für diese zehn Tage hätte es so viele Überschriften geben: "Woolloomooloo" (das alleine wäre schon lustig genug), "Das Geheimnis der Opal Card", "Residenz im Rotlichtviertel", "Katoomba" oder viele andere, die echt lustige Momente aufgreifen würden, aber alles zusammengenommen ist es einfach "Sydney". Es war nochmal etwas völlig anderes als Neuseeland - absolut nicht zu vergleichen und super anstrengend. Vor allem mit der Hitze hatte ich sehr zu kämpfen!
Ich bin jetzt körperlich wie mental ziemlich ausgepowert und freue mich auf Zuhause! Ich glaube, wäre ich direkt von Neuseeland geflogen, wäre es trauriger für mich gewesen.
Sydney hat nochmal meinem Horizont erweitert und ich ahne, dass man sich echt in diese Stadt verlieben kann. Ohne Frage ist es die atemberaubendste Großstadt, die ich bisher kenne! Denn sie ist nicht nur an einigen Ecken schön, sondern durchgängig. Selbst Wohngegenden sind total angenehm und von einem mediterranen Charme erfasst.
Und natürlich war die Zeit mit meiner besten Freundin etwas ganz Besonderes! Sehr prägend und einmalig - etwas, von dem wir später immer wieder schwärmen werden.

Sydney war ... einfach SYDNEY.

Omega

04April2018

Kia Ora,
die Zeit ist schon ein merkwürdiges Ding. Mal kommt sie einem lang vor, mal kurz - oder skurriler Weise auch beides zusammen.
Vor ungefähr fünfeinhalb Monate betrat ich am Auckland Airport das erste Mal neuseeländischen Boden und nun ist es soweit: Ich bin wieder in Auckland.
Von vielen hatte ich gehört, dass wenige Tage reichen würden, da Auckland nichts Außergewöhnliches sein sollte - halt eine neuseeländische Stadt (und diese sind bekanntlich nicht besonders hübsch oder spektakulär).
Nun gut, ich hatte EINEN EINZIGEN Tag. Tatsächlich hat es gereicht, aber überraschenderweise hat mir die 1,4-Millionen-Stadt ziemlich gut gefallen! Vor allem die Waterfront ist sehr schön gestaltet und eignet sich hervorragend zum Flanieren. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man überall total moderne, hippe Ecken, welche die Stadt merklich aufwerten.

Ich hab mich treiben lassen; war vormittags in der Queen Street (die Einkaufsmeile), bin dann weiter zum Hafen Richtung Vinyard Quarter, dann zurück zu meinem Hostel in Ponsonby und nachmittags schlenderte ich durch Ponsonby selbst, einen Stadtteil, der momentan sehr angesagt ist mit vielen Lifestyle-Läden und Cafés.

Abends wollte ich mir einen spektakulären Sonnenuntergang vom Mount Eden ansehen, doch das ist leider ins Wasser gefallen, im wahrsten Sinne des Wortes. Stattdessen gab es einen gigantischen Regenbogen.

So schön der Tag war - er hatte etwas Sentimentales: Es war mein letzter in Neuseeland. Bin ich traurig, das Land morgen verlassen zu müssen? Nein, wie gesagt, ich bin eher sentimental als traurig und vielmehr unendlich dankbar für all die tollen Dinge, die ich erleben und lernen und Menschen, die ich treffen durfte!

Das hier wird jetzt nicht der letzte Blogpost werden, schließlich geht's ja noch für zehn Tage nach Sydney! Ich freue mich schon unglaublich auf meine beste Freundin Sabrina, die ich dort treffen werde!
Auch wenn das mein letzter Eintrag von Neuseeland ist, wird mein "Fazit" später gezogen, wenn ich dann zuhause bin.

Auckland, das Alpha und Omega dieses Abenteuers.
Jetzt heißt es: Bye, bye and cheers New Zealand - hello Australia!

Bräutigam in Badehose

01April2018

Kia Ora,
eigentlich sollte dieser Blogpost den Titel "Zwischen Pferdezucht und Hochzeitsvorbereitungen" tragen, doch dann erlebte ich das einschneidende Erlebnis mit einem Bräutigam in Badehosen, dass ich mich doch noch anders entschied - aber beginnen wir von vorne!

Am Dienstag (nach genau zwei Wochen) brachte ich meinen süßen Mazda in Auckland zurück und stieg in den InterCity Bus nach Kerikeri. Ich wollte meine Reise dort beenden, wo sie begonnen hatte: bei Julia, ihrem Mann und den Pferden. Ich freute mich wahnsinnig, zu meinen ersten Wwoofing Hosts zurückzukehren und das vertraute Gefühl von "Zuhause" stellte sich augenblicklich ein, als ich in Julias Jeep durch das Tor auf die Farm rollte.

Ich verbrachte sechs wunderschöne Tage dort zusammen mit zwei anderen Wwoofern, dem Engländer Jack und der Chinesin Won Xing. Gemeinsam verpflegten wir morgens und abends die neun Pferde (unglaublich, wie groß Tanzer geworden ist!) und verbrachten unsere Zeit mit Kartenspielen und Ausflügen nach Kerikeri und Umgebung.

Es war fast alles wie beim letzten Mal (abgesehen vom guten Wetter diese Tage), nur dass am "Ostersamstag" ein Catering für eine hundertköpfige Hochzeit anstand! Neben ihrer hobbymäßigen Pferdezucht betreibt Julia nämlich als Köchin ein professionelles Catering Business. Die Vorbereitungen für den großen Tag liefen bereits auf Hochtouren, als ich zu den anderen Wwoofern stieß und natürlich wurde ich mit eingespannt. Was kann es für mich schöneres geben, als beim wwoofing kochen zu dürfen? Aber das beste war nicht mal, im Food Truck stundenlang Gemüse zu schnippeln, sondern die Aussicht darauf, dass wir drei am Samstag selber dabei sein durften!

Das Setting war auf der wunderschönen Karikari Peninsula ganz oben im Norden. Wir wussten bereits, dass es zwanglos werden würde, aber auf einen Bräutigam in Badehose war ich dann doch nicht vorbereitet! Halleluja, das war so 100% Kiwi-Style! Generell erinnerte die ganze Veranstaltung eher an ein ausgedehntes Camping-Wochenende, aber ab der Zeremonie, mit all den schick gekleideten Gästen, guter Livemusik und dem Buffet wurde es dann doch richtig festlich.

Das Partyvolk feierte entspannt und ausgelassen - die Bediensteten rotierten. In einem Satz: Es war anstrengend. So was von anstrengend! Fünf Stunden arbeiteten wir ohne Pause, wuselten im Food Truck herum, mischten Salate, richteten Vorspeisen an, erwärmten Gerichte, servierten, bereiteten das Buffet vor. Es war ungeheuer viel auf einmal und alles unter Zeitdruck und mit Julias Perfektion im Nacken - aber es hat super viel Spaß gemacht und uns als vierköpfiges Team zusammengeschweißt!


Und das Beste: Wir veranstalten unser eigenes Festessen mit den Resten, die zurück kamen! Eines muss man Julia lassen: kochen kann sie! Und die Hochzeitstorte - ein Traum! Ich hab noch nie in meinem Leben so einen guten Zitronenkuchen gegessen (nicht dass ich in meinem Leben bisher viele Hochzeitstorten gekostet hätte)!

Nachts um halb zwölf fielen wir alle erschöpft ins Bett und schliefen in den Ostersonntag hinein. Übrigens war es ein richtiges Ostern (im Gegensatz zu Weihnachten) mit viel Schokolade! Nur mein Osterhase hatte sich in einen Kiwi transformiert ...

Beloved Raglan

27März2018

Kia Ora,
Raglan, oh Raglan ...
Ehrlich gesagt, hatte ich Respekt davor, an meinen Lieblingsort zurückzukehren ... Vielleicht würde es nicht so werden, wie beim letzten Mal?
Aber ich hatte mir umsonst Sorgen gemacht! Meine vier Tage dort waren um kein Bisschen weniger cool als die Zeit im Dezember!
Jetzt kann die Frage kommen, warum denn dieses winzige Örtchen so eine Wirkung (nicht nur auf mich) hat? Tja, es sind eindeutig die guten Vibes! Man fühlt sich einfach wohl; ist sofort im Einklang mit den ganzen zauberhaften, relaxten Leuten, die dort ihre Zeit verbringen; wird vom entspannten Surfer-Lifestyle mitgerissen; kann durch die hippen Lädchen bummeln; genießt die beste Real Fruit Ice Cream und - geht natürlich surfen!
Raglan kann regelrecht zu einem Lebensgefühl werden!

Ich wurde mit einem Weltuntergangsunwetter begrüßt - ein Grund zur höchsten Euphorie für mich: Ich liebe Gewitter und dieses war sogar mein erstes in Neuseeland!
Das "schlechte" Wetter hielt auch noch am nächsten Tag an, aber egal, beim Surfen wird man ja eh nass! Außerdem war es eine sehr coole Stimmung, bei heftigem Regen in der Tasmanischen See auf die perfekte Welle zu warten!
Das Wetter am folgenden Tag beschrieb eine 180-Grad-Wendung und der Sonnenbrand war vorprogrammiert! Also nichts wie zurück zum Strand!

Genau wie letztes Mal waren die super Leute im Hostel, die einen Großteil des Vergnügens ausmachten: Wir waren eine einzige, große Gemeinschaft, die zusammen surfen ging, zusammen lachte, zusammen die Muskeln nach getaner "Arbeit" im Hot Tub entspannte, abends zusammen Filme schaute, das Essen teilte.

Zwei von den drei Tagen war ich surfen; den dritten Tag habe ich einfach nur Raglan genossen und mich langsam gedanklich darauf vorbereitet, bald von diesem wunderschönen Fleckchen Erde Abschied nehmen zu müssen ...

Aber vorher wurde am Sonntagabend noch im Club ordentlich getanzt! Denn eines der Dinge, die ich hier gelernt habe, ist, im Moment zu leben - sie lassen sich so arg schlecht festhalten und werden am besten augenblicklich und ganz frisch konsumiert!

Und eins steht fest: Ich war nicht zum letzten Mal hier!

East Cape Roadtrip

23März2018

Kia Ora,
nach einer stürmischen Nacht mitten in der Pampa irgendwo oberhalb von Napier ging es zum Lake Waikaremoana. Dort wollte ich den Great Walk machen, für den ich schon alles geplant hatte - eigentlich. Denn aufgrund von unglücklichen Umständen konnte ich vor Ort keine Campsites und kein Wassertaxi buchen, was meine Pläne ziemlich bereitelte. Es stellte sich aber als glücklicher Zufall heraus, denn das Wetter war (und blieb!) miserabel. Ich hatte mich dazu entschlossen, den ersten Part des Tracks als Dayhike zu machen, um überhaupt IRGENDWAS vom See zu sehen - denn bisher war alles von Nebel und Regenwolken samt Regen verhangen gewesen. Aber wieder hatte ich mich getäuscht, denn auch von sechshundert Höhenmetern mehr konnte man nicht mehr sehen als: Weiß! Buchstäblich! Das einzig Positive an dieser Wanderung war der warme Ofen in der Hütte, zu der ich gewandert war - es regierte nämlich eine bibbernde Kälte.
Notgedrungen verbrachte ich noch eine zweite Nacht auf dem Parkplatz am Anfang des Great Walks und fühlte mich so weit abgeschieden wie selten. Ich meine, wenn die Gravel Road, die zum See führt, als Highway bezeichnet wird, dann hat das selbst für neuseeländische Verhältnisse etwas zu bedeuten! Mir begegneten nur vereinzelte, pitschnasse Wanderer und der Dauerregen. Ich hatte mich buchstäblich in meinem Mazda verbarrikadiert.
Aber nach zwei Tagen verließ ich diesen durchweichten Ort. Im Sonnenschein. Typisch.

Es ging Richtung Gisborne, wo ich in einem Top 10 Holiday Park eincheckte und mir eine heiße Dusche gönnte. Ich hatte von Gisborne mehr erwartet, aber "Gizzy" ist bis auf den Dänemark-ähnlichen Strand ziemlich unspektakulär.

Der Tag drauf war schon schöner: Die Küste oberhalb von Gizzy ist traumhaft und mein erster Stop war Tolaga Bay, wo ich den Walk zu Cook's Cove und dem "Hole in the rock" unternahm.

Dann kam ich endlich dem Ziel meines Roadtrips näher - dem East Cape, Te Araroa. Der Weg dahin ist allerdings etwas abenteuerlich: Gravel Road (wie könnte es auch anders sein?) und "free wandering stock" - sprich freilaufende Kühe und Pferde. Jap, entspannter Kiwi-Style.

Am Abend besuchte ich den Leuchtturm schon einmal probeweise (quasi als Generalprobe für den folgenden Morgen).
Die Nacht verbrachte ich auf einem Campingplatz, der sich als Kuhwiese (mit Kühen) entpuppte, nahe des Capes.
In der Nacht regnete es. Am Morgen regnete es. Aber - das Wetter für die Stunde war herrlich, perfekt und beinahe wolkenlos! Der "erste Sonnenaufgang der Welt" war echt gigantisch schön!

Anschließend ging es weiter an der Küste entlang - bei gutem Wetter, sobald ich die Bay of Plenty erreichte. Dann war es so, wie ich mir den Roadtrip vorgestellt hatte: Sonnenschein, gute Musik und ein einmaliges Küstenpanorama!
An diesem Tag fuhr ich bis nach Whakatane, machte aber zuvor Pause am ewig langen Ohope Beach.

Tags darauf stand Tauranga samt Umgebung auf dem Plan. Über Te Puke - "The Capital of Kiwifruit" - ging es nach Mount Maunganui. Dies ist der schönste Stadtteil von Tauranga mit hippen Cafés und Läden und einem Berg, von dem aus man den herrlichen Surferstrand und gesamt Tauranga überblicken kann.

Ich hätte dort Tage zubringen können, doch für diesen Tag stand noch mehr auf dem Plan. Trotzdem nahm ich mir die Zeig, setze mich in ein Café (bei dem einfach ALLES lecker aussah) und hatte eine Açai Bowl mit frischen Früchten.

Tauranga City an sich ist nicht weiter erwähnenswert - normale, unspektakuläre, große neuseeländische Stadt.
Ich fuhr stattdessen über die "Mural Town" Katikati, die berühmt für ihre Wandgemälde ist, zum riesigen und wunderschönen Waihi Beach, wo ich die Nachmittagssommersonne genoss.
Die letzte Nacht parkte ich Auto und Zelt auf einem DOC Campsite mitten im Nirgendwo an einem Fluss und heute ging es über Hamilton (wo ich mir zwei Stunden die Hamilton Gardens anschaute) nach - RAGLAN! Schließlich kann ich nicht dieses Land verlassen, ohne zuvor noch einmal meinen Lieblingsort besucht zu haben! Denn ... Heute in zwei Wochen geht mein Flieger nach Sydney!

5 Monate - der Sountrack meiner Reise

22März2018

Kia Ora,
kaum zu glauben - 5 MONATE! Mein ganzes halbes Jahr ist beinahe um und je näher das Ende rückt, desto sentimentaler werde ich. Aber es ist auch so unglaublich viel passiert! Keine Frage, wie viel ich schon erlebt habe! Diese ganzen Erfahrungen werden mich ein Leben lang begleiten!
Es ist wie ein Film, der sich täglich erweitert - und wie jeder gute Film gehört auch zu meiner Reise ein Soundtrack.

- Mary Mary (Fuse ODG, Big Narstie)
- Havana (Camila Cabello)
- Barfuß am Klavier (AnnenMayKantereit)
- Was Du Liebe nennst (Bausa)
- Angel (Shaggy, Rayvon)

- Feel It Still (Portugal)
- Lay It On Me (Vance Joy)
- Growing Up (Macklemore & Ryan Lewis, Ed Sheeran)
- Let You Down (NF)
- River (Ed Sheeran, Eminem)
- I Fall Apart (Post Malone)
- What Lovers Do (Maroon 5, SZA)
- Don't Give It Up (Six60)
- Too Good At Goodbyes (Sam Smith)
- Shape of You (Ed Sheeran)
- Jerk It Out (Caesars)
- Thunder (Imagine Dragons)
- Glorious (Macklemore, Skylar Grey)
- Boa Me (Fuse ODG, Ed Sheeran, Mugeez)

- Rockstar (Post Malone)
- Tip Toe (Jason Derulo, French Montana)
- The Reason (Hoobastank)
- Candy Paint (Post Malone)
- Swalla (Jason Derulo, ...)
- New Rules (Dua Lipa)
- Strip That Down (Liam Payne, Quavo)

Das sind alles Songs, mit denen Personen, Situationen, Orte und Atmosphären ganz eng für mich verknüpft sind. Ich bin mir sicher, auch wenn ich wieder zuhause bin, werden diese Songs die Bilder meiner Reise ohne Verzögerung heraufbeschwören.

P.S. Ganz oben sind die All-to-go Favorites! Nichts schlägt "Mary Mary" und "Barfuß am Klavier"!

 

Der Südosten des Nordens

15März2018

Kia Ora,
dann begann mein ganz persönlicher Roadtrip: Von Omega Car Rentals lieh ich mir einen kleinen, silbernen Mazda - eine wahre Knutschkugel - und düste Richtung Südspitze der Nordinsel. Zuvor gab's einen Stop in Lower Hutt, um mich mit allem Nötigen einzudecken (und um noch eine 5$-Dominos-Pizza abzugreifen).
Anschließend fuhr ich eineinhalb Stunden zu den Putangirua Pinnacles, die damals als Filmlocation für den "Pfad der Toten" in "Herr der Ringe" gedient hatten. Natürlich unternahm ich einen Walk zum Lookout, um mir diese bizarren, spitzen Felsformationen selber anzugucken. Schon ein wenig mystisch!

Da dort auch ein Campingplatz war, schlug ich am Fuße der Pinnacles mein erstes Nachtlager auf.

Am nächsten Morgen ging es kurz nach sieben Uhr bereits wieder los, da ich möglichst früh zum Cape Palliser wollte. Die Fahrt dorthin hätte abgelegener nicht sein können und dementsprechend erwartete mich eine wilde Friedlichkeit am Cape.

Beim Anblick des Leuchtturms kamen tatsächlich Heimatgefühle auf: rot-weiß gestreift!

Nachdem ich die 200 Stufen erklommen hatte, stieg ich wieder hinab, um gemütlich am Strand mein Porridge zu frühstücken. Wie sich herausstellte, hatte ich sogar Gesellschaft: von einer Robbe, die sich faul in der Sonne wärmte und durch nichts stören ließ!

Auf meinem Weg zurück sah ich dann die gesamte Kolonie auf den Felsen an der Küste lümmeln - zu süß!
Meine Fahrt führte mich weiter zum atemberaubend schönen Castlepoint. Es war eine endlose Strecke, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt - Leuchtturm No.2 an diesem Tag!

Abends gab es ein erfreutes Wiedersehen in Dannevirke: Ich durfte die Nacht bei der lieben Familie Max verbringen! Zwei Monate waren vergangen, seit ich dort gewwooft hatte. Es war ein ganz eigenartig schönes Gefühl - wie heimkommen. Es gab natürlich viel zu erzählen, sowie eine heiße Dusche und ein leckeres Abendessen mit Ofengemüse aus dem eigenen Garten für mich.
Am nächsten Vormittag half ich Hayley "als Bezahlung" noch mit den Tieren und dem Pflanzen neuer Blaubeersträucher. Danach ging es für mich weiter Richtung Norden, vorbei an dem Platz mit dem längsten Ortsnamen der Welt: Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu. Es ist der Maori Name eines Hügels und bedeutet: Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte.
Zwar ganz lustig, dort gewesen zu sein, aber weitgehend unspektakulär.

Ich fuhr weiter nach Te Awanga, wo ich die Nacht auf einem Campingplatz am Strand verbrachte.
Früh am nächsten Morgen ging es erneut zum Cape Kidnappers und ich lief den 18 km langen Strandwalk nochmal - diesmal mit im Morgenlicht glitzernden Wellen und ganz für mich alleine. Es war definitiv schöner als beim ersten Mal!
Morgen geht's nach Napier und noch weiter nördlich.

Windy Wellington

12März2018

Kia Ora,
über Motueka ging es für mich nach Picton. Dort unternahm ich noch einen sonnigen Spaziergang zur Bob's Bay, bevor ich mit der Interislander Fähre den Cook Strait am Sonntag zum vierten Mal überquerte.
Da ich längst noch nicht alles von Wellington gesehen hatte, blieb ich dort für zwei Nächte in einem sehr wilden Hostel.
Gemütlich bummelte ich durch die Stadt, ließ mich treiben, bekam ein Gefühl für Wellington - das mich immer noch sehr an Vancouver erinnert!
Ich erklomm den Mount Victoria für einen wahnsinnigen Ausblick über die Stadt und ihre Bay.

Außerdem besuchte ich ein zweites Mal das Nationalmuseum Te Papa Tongarewa, um mir die Gallipoli-Ausstellung anzusehen. Dort wird beeindruckend und sehr bewegend geschildert, wie Neuseeland im ersten Weltkrieg in der Türkei an der Seite der Aussies gekämpft hatte.

Entspannt ausklingen ließ ich den zweiten Tag mit einem Besuch von Wellingtons Stadtstrand, der Oriental Bay. Es gibt sicherlich schlechtere Orte zum Wohnen in Neuseeland!

Boring Bushwalk

09März2018

Kia Ora,
man stelle sich vor: Max und Lasse sind gerade in Nelson angekommen und es gab eine freudige Begrüßung. Sechs Wochen bieten natürlich viel Erzählstoff und so sitzen wir in unserem Share Room im Tasman Bay Backpacker's, das für Nelsons besten Schokopudding/Brownie bekannt ist, und tauschen uns aus.
Da platzt ein völlig aufgebrachter Israeli zur Tür hinein. Mit ihm schwappt eine Geruchswelle ins Zimmer, die ungeheuerlich ist. Es vergeht keine Sekunde, da werden wir auch schon zugetextet - es vergehen keine zehn Minuten und wir kennen seine gesamte Lebens- bzw. "Leidensgeschichte", was für ihn aber keinerlei Grund darstellt, mit dem Reden aufzuhören ... Das Thema seiner Rage: Abel Tasman. Man sollte meinen, dass uns dieses Thema gelegen kommt, schließlich wollen wir diesen berühmten Track in zwei Tagen selber antreten und sind bereits Feuer und Flamme.
Doch seine Meinung über die Wanderung ist alles andere als positiv: Erstens sei es der langweiligste Walk, den er je gemacht hätte. Zweitens wären die Ranger über die Maße unfreundlich gewesen. Drittens sei ein Großteil des Tracks zerstört, sodass man eine Route durch das Inland nehmen müsse. Darüber hinaus wären die Strände eine schmutzige Katastrophe, das Wetter mies und überhaupt - die Worte "boring bushwalk" fielen ungefähr fünfzig Mal ...

Ich glaubte ihm kein Wort. Ich hatte ja bereits einen Teil des Great Walks mit Angela absolviert und war hellauf begeistert gewesen. Vielmehr versuchten wir uns (ein Grinsen unterdrückend) seinem Redeschwall und den komatösen Dämpfen seiner Wanderstiefel und seines Backpacks zu entziehen. Irgendwann gelang es uns und wir flüchteten in Nelsons Innenstadt zum Burgeressen.
Nur so viel: Der Israeli wurde legendär!

Den gesamten Tag darauf - es war ein Samstag - verbrachten wir mit der restlichen Planung unseres Abenteuers. Zu uns dreien war noch eine andere Backpackerin, Maja, gestoßen. Die Campsites waren bereits reserviert; nun fehlten nur noch einzelne Teile unserer Campingausrüstung und der Reiseproviant - wir deckten uns selbstverständlich im Warehouse und bei Pak'n'Save ein! Auch das DOC Center suchten wir nochmal auf, um die Konditionen des Tracks zu checken. Dort stellte sich tatsächlich heraus, dass der Israeli doch zumindest in einem Punkt recht gehabt hatte: Der zweite Zyklon hatte einen Erdrutsch ausgelöst, der wiederum einen Abschnitt im Norden des Walks unpassierbar gemacht hatte. Zum Glück gab es eine Ausweichroute (besagter Inland Gibbs Hill Track), aber die war mit einem großen Umweg verbunden. Ärgerlich, aber kein Beinbruch. Alles war bereit.

Am Sonntag holten wir Maja aus ihrem dubiosen Hostel ab und fuhren mit einem Auto, das aus allen Nähten platzte, Richtung Abel Tasman Nationalpark. Das Wetter war perfekt - alles schien perfekt.


Dann kam der erste Schreck: Wir standen schon fast auf unserem Parkplatz, als das Auto nicht mehr ansprang. Wir bekamen zeitnah Unterstützung, aber kein Trick half! Ehrlich gesagt, ich dachte, das war's mit unserem Track - bevor es überhaupt angefangen hatte! Doch wie die Kiwis so sind: Uns wurde angeboten, dass wir den Schlüssel bei einem Café abgeben konnten und die würden dann in den fünf Tagen, in denen wir den Great Walk liefen, einen Mechaniker engagieren. Dankend nahmen wir an und konnten doch noch relativ zeitplangemäß in unseren Abel Tasman Track starten.

Zur Mittagszeit ging es endlich los! Der zweite Schreck ließ nicht lange auf sich warten und hatte das Gewicht meines Backpacks zur Ursache ... Ich hatte echt nicht damit gerechnet, dass es SO schwer werden würde! Aber Nahrung für fünf Tage wiegt nunmal etwas ...

Am ersten Tag liefen wir von Marahau nach Anchorage 12,4 km. Große Steigungen gab es eigentlich keine, trotzdem war es mit der Last auf den Schultern verdammt anstrengend! Der Track begann mit einer unplanmäßigen Flussüberquerung über eine äußerst provisorische Brücke, die dem Zyklon zu verdanken war.


Wir legten eine schöne Halbzeit-Pause in der Stillwater Bay ein, wo wir die futtergierigen Wekas kennenlernten. Wekas sehen im Prinzip aus wie Kiwis, nur nicht ganz so tollpatschig und mit einem kürzeren Schnabel.
Der Israeli hatte uns erzählt, dass er unzählige Kiwis auf dem Track gesehen hatte und dass man sich vor denen in Acht nehmen müsse, da sie Essen und unbeaufsichtigte Schuhe klauen würden ... Schnell schnallten wir, dass seine "Kiwis" Wekas gewesen waren ... Und somit sorgte er für einen Running Gag, der bei jeder Gelegenheit erwähnt wurde!

In Anchorage Bay kamen wir abends gegen sechs Uhr an und sobald die Zelte aufgebaut waren, nahm ich mit Lasse ein Bad im knietiefen Wasser (was der Ebbe zu verdanken war). Nach einem vorzüglichen Uncle Bens Reis-Dinner machten wir zu viert noch einen Abendspaziergang am Strand bei einem rosa Sonnenuntergang.

Es war ein anstrengender, aber sehr schöner erster Tag des Walks!
Tag zwei startete um neun Uhr morgens mit einem Low Tide Crossing zur Torrent Bay. Einen Großteil des Walks an diesem Tag war ich mit Angela bereits gelaufen, nämlich von Anchorage nach Bark Bay. Wir hatten teilweise ein bisschen Nieselregen, aber auch so würde ich behaupten, dass dieser Abschnitt verhältnismäßig unspektakulär ausfiel ... Zum Glück klarte das Wetter bei unserer Mittagspause in der Bark Bay auf. Doch es musste an diesem zweiten Tag noch weiter gehen, auch wenn wir alle zu diesem Zeitpunkt total müde und erledigt waren. Den Jungs schmerzten die Schultern und uns Mädchen die Hüften. Aber es half alles nichts - es mussten noch zwei Stunden nach Tonga Quarry bewältigt werden.

Um fünf Uhr kamen wir bei schönstem Sommerwetter an. Und es war ein Traum wie in der Karibik: Tonga Quarry war das absolute Highlight! Eine Bucht mit weißem, sauberen Sandstrand mit malerischem Treibholz, türkisblauenes, angenehm kühles Wasser, ein plätschernder Bach und ein Wäldchen im Hintergrund. Unser Zeltplatz war nicht AM Strand, unser Zeltplatz WAR der Strand.

In Tonga Quarry verbrachten wir wunderschöne Stunden und im Meer erholten wir uns von den 12,6 km Strecke des Tages. Ein weiteres Highlight war der bombastische Sternenhimmel nachts, den wir am Strand liegend bewunderten.

Am dritten Tag ging es über den Onetahuti Beach Richtung Awaroa. Gegen elf Uhr kamen wir zu einer Abzweigung, an der wir uns mindestens eine halbe Stunde aufhielten, was folgenden Grund hatte: Max, Lasse und ich wollten noch einen Abstecher ins Awaroa Village machen, weil dort ein sehr schöner Strand (und außerdem ein Café) sein sollte, während Maja, die am Ende ihrer untrainierten Kräfte war, den normalen Track nach Awaroa folgen wollte. Also teilten wir uns auf und dann kam das Gemeine: der von uns gewählte Non-DOC-Track über Privatland stellte sich als Abkürzung heraus und wir waren eineinhalb Stunden vor der armen Maja am Zeltplatz ...

Da die Strecke an diesem dritten Tag nur 9 km betrug und wir mittags schon ankamen, hatten wir einen halben Tag zum Entspannen und Erholen. Es gab zu unserer Überraschung und sehr großen Freude eine Kaltwasserdusche - mit Meerblick!

In dieser Nacht regnete es zum ersten Mal richtig. Das kam uns äußerst ungelegen, da wir früh aufbrechen und dafür um sechs Uhr morgens in der Dunkelheit aufstehen mussten. Also packten wir unsere nassen Sachen zusammen und traten das zwanzigminütige Awaroa Inlet Low Tide Crossing an, das man nur bei Ebbe machen kann. Es hat tatsächlich ein bisschen an das heimische Wattenmeer erinnert und machte richtig Spaß!

Auf der anderen Uferseite angekommen liefen wir eineinhalb Stunden weiter, um nach Totaranui zu gelangen. Der Weg ging durch wunderschönen Dschungel und über traumhaft wilde Strände. Wir sputeten uns ziemlich, denn dieser vierte Tag versprach der heftigste und anstrengendste werden - am meisten Strecke, die meiste Steigung und ... Regen. Bei unserem Oats-Frühstück in Totaranui hofften wir noch, der Regen würde nachlassen, doch wir hatten uns geirrt. Also wurden Capes ausgepackt und los ging's über den Gibbs Hill Track nach Whariwharangi. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was uns blühte ... Maja hätte gesagt, Gibbs Hill ist "der Tod", doch sie war in weiser Voraussicht in Anbetracht ihrer Fitness in Totaranui geblieben.
Im Regen starteten wir den Inland Track. Wir wussten nicht, wie hoch es gehen würde, denn von diesem Weg stand uns kein Höhenprofil zur Verfügung. Wir rechneten mit 200 Höhenmetern, aber tatsächlich war es das doppelte. Es war "der Tod". Ein echter Kampf. Jeder Schritt. Der Boden war lehmig und total aufgeweicht durch den Regen. Den Blick hielt man gesenkt, da man nicht durch den Anblick des ewig bergauf verlaufenden Weges demotiviert werden wollte. 400 Höhenmeter mögen ohne Backpacker nicht viel sein, aber mit zehn Kilo auf dem Rücken war es die Hölle. Irgendwann konnte man Regen nicht mehr vom Schweiß unterscheiden - die Tropfen rannen einem nur so übers Gesicht und tropften vom Kinn.


Nach drei Stunden Tortur und mit schmerzenden Füßen kamen wir in Whariwharangi an. Zwar hatte der Regen aufgehört, doch es wehte immer noch ziemlich. Ein (überaus lieber) Ranger riet uns deswegen nicht wie geplant in Mutton Cove zu campen, weil der Campingplatz ungeschützt am Meer läge. Stattdessen durften wir in Whariwharangi mit unseren Zelten bleiben. Nach kurzem Überlegen nahmen wir an, was ein Kompromiss war, denn Mutton Cove war uns für seine Schönheit bekannt.
Trotzdem wollten wir ohne Backpack noch weiter. Bis dahin hatten wir 14,6 km bewältigt und vor uns lag ein Weg von weiteren 8 km, doch es war wie eine Erlösung, diese Strecke ohne Gewicht auf den Schultern zu laufen - wir verfielen mehrere Male in euphorisches Rennen!
Es ging ganz bis zur Spitze - zum Separation Point. Dort herrschte ein enormer Wind, in den man sich tatsächlich hineinlegen konnte. Das Kliff ist sehr rau und wild, aber schön! Man muss das letzte Stück des Weges steil hinabklettern, bis man zu einem kleinen Leuchtturm gelangt.

Auf einer Klippe am Separation Point lag eine faule Robbe, die für uns posierte und an die wir bis auf wenige Meter herankamen. Einzigartig!

Mutton Cove besuchten wir auch noch und fanden unsere Entscheidung bestätigt: Es war richtig gewesen, uns kurzfristig für Whariwharangi zu entscheiden, obwohl der Zeltplatz wunderschön und einsam war.
Abends zurück im Lager waren wir fix und fertig. Es gab ein letztes Abendessen und eine letzte Nacht auf der ungemütlichen Matte.

Das Wetter am fünften Tag war wieder besser. Bei Sonnenschein ging es 11 km über den Gibbs Hill Track zurück und drei Stunden später liefen wir in Totaranui durch eine Allee riesiger Bäume ins Ziel ein. Insgesamt 70 km hatten wir in fünf Tagen absolviert und das Gefühl war grandios! Wir waren erledigt, aber glücklich. Alles, was wir nun wollten, war eine Dusche, ein möglichst fettiges, ungesundes Essen und ein gemütliches Bett.

Die letzte Hürde war unser Wassertaxi bei der stürmischen See - für die einen ein Vergnügen, für die anderen der Tod namens Seekrankheit. Wir vier konnten die einstündige Fahrt zurück zum Ausgangspunkt unseres Tracks zum Glück genießen und waren einfach nur zufrieden. Es war cool, den ganzen Weg, den wir uns zuvor in schweißtreibenden Stunden erarbeitet hatten, noch einmal im Schnelldurchlauf rückwärts mitzuverfolgen.

Abel Tasman war wunderschön! Ein toller Abschluss für meine Südinsel-Reise!

Aber dann war da noch die Sache mit dem Auto ... Wir erfuhren, dass gar kein Mechaniker geholt worden war, da das Auto einfach wieder angesprungen war. Erleichterung machte sich breit, doch die währte nicht lange ... Unser Nachtquartier für diese Nacht lag im Hippie-Dorf Takaka und auf dem Weg dorthin bergab am Takaka Hill versagte das gute Autochen erneut ... mitten in der Pampa, ohne Netzverbindung und direkt nach einer Straßensperrung, durch die man nur zweimal pro Tag mit einem Konvoi hindurch gelangte. Glücklicherweise bekamen wir auch diesmal Hilfe, nur mussten wir das Auto dies Mal am Straßenrand zurück lassen.
Völlig erledigt und Stunden später als geplant kamen wir im urgemütlichen Hippie-Hostel Kiwiana an, konnten unsere erlösende Dusche genießen und ließen uns ein festliches Streetfood Mahl mit einem riesigen Berg Pommes schmecken. Anschließend gingen Max, Lasse und ich noch in eine Bar - es war durch den unvorhersehbaren Autovorfall unser letzter Abend. Traurig, aber trotzdem schön. Und als Balsam für die Seele bestellte ich noch einen extra großen Chocolate Brownie mit Vanilleeis. Hmmm ...

Am nächsten Tag wurde das Auto abgeschleppt und wahrscheinlich macht die Benzinpumpe Ärger ... Es wird wohl ein paar Tage dauern. Zusammen unternahmen wir noch einen letzten Ausflug mit Fahrrädern zu der größten Trinkwasserquelle der Südhalbkugel, den Pupu Springs. Danach bummelten wir durch Takaka. Das Dörfchen gefiel mir ausgesprochen gut (in einer Liga mit Kaikoura und Raglan!) und ich war sehr traurig, dass ich am späten Nachmittag bereits mit dem 5-Uhr-Konvoi nach Motueka trampen musste.

Unser Abel Tasman Abenteuer wird nun immer den ironischen Namen "Boring Bushwalk" tragen, obwohl es alles andere als langweilig war! Das haben wir nur dem Israeli zu verdanken, der für viele Lacher verantwortlich war, wenn wir eigentlich vor Erschöpfung aufgeben wollten.

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